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Hitze & Gesundheit
HITZESCHUTZ///
Gesundheitsrisiken

Was Hitze mit
dem Körper macht

Spätestens ab Raumtemperaturen von 26°C sollte man erste Maßnahmen ergreifen. Bei Außentemperaturen ab 30°C — und besonders wenn diese über mehrere Tage anhalten — steigt das Gesundheitsrisiko stark an. Der Körper gerät an seine Grenzen.

Thermoregulation: Die Grenze des Körpers

Der menschliche Körper hält seine Kerntemperatur normalerweise konstant bei etwa 37°C. Bei Hitzebelastung aktiviert er mehrere Abwehrmechanismen: Erweiterung der Blutgefäße (Vasodilatation), verstärkte Schweißproduktion und Erhöhung der Herzfrequenz zur besseren Wärmeabgabe.

Bereits ab einer Körperkerntemperatur von 38°C steigt das Risiko für Hitzeerschöpfung signifikant an. Dieser Schwellenwert wurde bereits von der WHO-Leitlinie von 1969 etabliert und ist bis heute gültig: Es ist nicht ratsam, dass die Körperkerntemperatur bei längerer täglicher Exposition und schwerer Arbeit 38°C übersteigt.

Bei 40°C Kerntemperatur und mehr spricht man von einem lebensbedrohlichen Hitzschlag — einem medizinischen Notfall mit hoher Sterblichkeitsrate.

Quelle: WHO (1969, 2026), MSD Manual, NEJM (2024)

Temperatur-Eskalation
37°C Normale Körperkerntemperatur
38°C Erhöhtes Risiko für Hitzeerschöpfung
39°C Hitzeerschöpfung, Organschäden möglich
40°C Hitzschlag — Lebensgefahr!
41°C+ Multiorganversagen, hohe Letalität

Quelle: WHO (1969), MSD Manual Profi-Ausgabe (2025)

Betroffene Organsysteme

Herz-Kreislauf

Hitzestress erhöht die Herzfrequenz und den myokardialen Sauerstoffbedarf. Dehydration verdickt das Blut und erhöht das Thromboserisiko. Die ESC (European Society of Cardiology) warnt in einem Scientific Statement 2025: Steigende globale Temperaturen stellen ein signifikantes Risiko für die kardiovaskuläre Gesundheit dar.

Quelle: ESC Statement 2025, DOI 10.1093/eurheartj/ehaf326

Nieren

Dehydration reduziert die Nierendurchblutung. Hitzestress kann zu akutem Nierenversagen führen — besonders bei vorbestehender Nierenerkrankung. Die Kombination aus Hitze und Dehydration ist eine der häufigsten Ursachen für akute Nierenschädigung im Sommer.

Quelle: WHO (2026), NEJM (2024)

Atemwege

Hitze erhöht die bodennahe Ozonbelastung und Feinstaubkonzentration. Asthmatiker und COPD-Patienten sind besonders gefährdet. Der CDC Heat Action Plan empfiehlt, bei AQI >100 (Air Quality Index) Aktivitäten im Freien zu reduzieren.

Quelle: CDC Clinical Overview (2025)

Psyche & Gehirn

Hitze kann psychische Erkrankungen verschlimmern, Aggressivität erhöhen und zu kognitiven Beeinträchtigungen führen. Bei Hitzschlag kommt es zu ZNS-Störungen: Verwirrtheit, Delirium, Krampfanfälle, Koma. Die Suizidrate steigt während Hitzewellen an.

Quelle: WHO (2026), Santé publique France (2026)

Hitzebedingte Sterblichkeit in Europa

62.775

Hitze-Todesfälle Sommer 2024 in 32 europäischen Ländern

Nature Medicine, Janoš et al. (2025)

23,6%

Anstieg gegenüber 2023 (50.798 Todesfälle)

95%-KI: 36.765–84.379

654

Untersuchte Regionen in 32 Ländern, 539 Mio. Menschen

EARLY-ADAPT Projekt

Die Studie zeigt: Gesundheitsnotfälle durch Hitze können mindestens eine Woche im Voraus zuverlässig vorhergesagt werden. Dies ermöglicht rechtzeitige Maßnahmen — vorausgesetzt, die Warnungen werden ernst genommen.

DOI: 10.1038/s41591-025-03954-7

Aktuelle Forschung 2025–2026

Nature Communications, März 2026

Tödliche Hitze unterhalb 35°C Feuchtkugeltemperatur

Das HEAT-Lim-Modell zeigt: Nicht-überlebbare Hitzebedingungen treten bereits unterhalb der oft zitierten 35°C Feuchtkugeltemperatur auf. Besonders gefährdet: ältere Menschen in direkter Sonneneinstrahlung. Extrem heiße, trockene Bedingungen sind ebenso tödlich wie heiße, feuchte.

WHO, Juni 2026

Heat-Health Action Plans — 2. Auflage

272-seitige WHO-Leitlinie mit acht Kernelementen für nationale Hitzeschutzpläne: Governance, Warnsysteme, Risikogruppen, Kommunikation, Gesundheitswesen, Expositionsreduktion, Surveillance, Evaluation. Enthält eine Public-Health-Message-Bank für effektive Risikokommunikation.

ESC, Juni 2025

Hitzeextreme und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Umfassendes Scientific Statement der European Society of Cardiology: Hitzebelastung führt zu erhöhter Inflammation, myokardialem Sauerstoffbedarf und Dehydration. Soziale Ungleichheiten (Einkommen, Wohnqualität, Zugang zu Kühlung) multiplizieren das Risiko.

Verhalten bei Hitze richtig anpassen →

Zu den Verhaltensregeln