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Hitze & Gesundheit
HITZESCHUTZ///
Verhaltensregeln

Richtiges Verhalten
bei extremer Hitze

Die hier aufgeführten Empfehlungen basieren auf den aktuellen Leitlinien von WHO, CDC, RKI, Umweltbundesamt und BZgA — Stand Juni 2026. Jede Empfehlung ist mit ihrer Quelle belegt.

01

Aufenthalt anpassen

Die heißeste Tageszeit meiden: Zwischen 11 und 18 Uhr (WHO, BZgA) bzw. 11 und 17 Uhr (Umweltbundesamt) möglichst nicht im Freien aufhalten. In dieser Zeit ist nicht nur die Temperatur am höchsten, sondern auch die UV-Strahlung und Ozonbelastung.

WHO (2026), BZgA, Umweltbundesamt

Im Schatten bleiben: Die gemessene Lufttemperatur wird im Schatten erhoben. In direkter Sonne kann die gefühlte Temperatur 10–15°C höher liegen (WHO). Schatten reduziert die Wärmebelastung um mehr als 10°C.

WHO (2026), CDC (2025)

Körperliche Aktivitäten verlegen: Sport, Gartenarbeit und andere Anstrengungen in die kühleren Morgenstunden (4–7 Uhr) oder Abendstunden verschieben. WHO empfiehlt für unvermeidbare körperliche Aktivität die Zeit zwischen 4:00 und 7:00 Uhr morgens.

WHO (2026), BZgA, Umweltbundesamt

Niemals Kinder oder Tiere in parkierten Fahrzeugen zurücklassen! Die Temperatur im Fahrzeuginnenraum kann innerhalb von Minuten auf lebensgefährliche Werte ansteigen — auch bei leicht geöffnetem Fenster. Dies gilt für jede noch so kurze Abwesenheit.

WHO, CDC, DRK

02

Hydration

2–3 Liter täglich trinken: WHO empfiehlt mindestens 1 Tasse Wasser pro Stunde und 2–3 Liter pro Tag (WHO 2026). Das BMG/RKI nennt mindestens 1,5–2 Liter (gesund.bund.de). Auch wenn kein Durstgefühl besteht — regelmäßig trinken. CDC: Urinfarbe kontrollieren; hellgelb oder klar bedeutet ausreichende Hydration.

WHO (2026), CDC (2025), gesund.bund.de, BZgA

Geeignete Getränke: Wasser (Leitungs- oder natriumreiches Mineralwasser), ungesüßte Kräuter- und Früchtetees, Saftschorlen (viel Wasser, wenig Saft). Wasserreiches Obst und Gemüse (Melonen, Gurken, Tomaten) ergänzen die Flüssigkeitszufuhr und liefern Mineralstoffe.

gesund.bund.de, BZgA, WHO

Zu vermeiden: Alkohol (erweitert die Blutgefäße und verstärkt Dehydration), koffeinhaltige Getränke in großen Mengen (harntreibend), stark zuckerhaltige Getränke (binden Wasser im Darm). CDC warnt: Alkohol und hoher Zuckerkonsum erhöhen das Hitzerisiko signifikant.

CDC (2025), WHO (2026)

Wichtig bei Vorerkrankungen: Menschen mit Herzinsuffizienz, Nierenerkrankungen oder anderen chronischen Erkrankungen sollten die optimale Trinkmenge vor der Hitzesaison mit ihrem Arzt besprechen. Pauschale Trinkempfehlungen können in diesen Fällen kontraproduktiv sein.

WHO (2026), gesund.bund.de, CDC

03

Körper kühlen

Kühle Duschen und Bäder: WHO und CDC empfehlen kühle Duschen oder Bäder zur Senkung der Körpertemperatur. Auch kühlende Arm- und Fußbäder sind wirksam. Nach dem Kontakt mit Wasser möglichst wenig abtrocknen — die Verdunstungskälte verstärkt den Kühleffekt (BZgA).

WHO (2026), CDC (2025), BZgA, Umweltbundesamt

Feuchte Tücher und Wassersprays: Haut mit einem feuchten Tuch, Schwamm oder Wassersprüher befeuchten. In Kombination mit einem Ventilator (unterhalb 35°C) wird die Verdunstungskälte maximiert. Dies ist eine der effektivsten Low-Tech-Kühlmethoden.

WHO (2026), CDC, Lancet Planetary Health (2024)

Leichte, lockere, helle Kleidung: WHO und CDC betonen: luftige, weit geschnittene Kleidung in hellen Farben reflektiert Sonnenstrahlung und ermöglicht Luftzirkulation. Kopfschutz (breitkrempiger Hut), Sonnenbrille und Sonnenschutzcreme nicht vergessen.

WHO (2026), CDC (2025)

04

Wohnung kühl halten

Raumtemperatur-Zielwerte (WHO): Idealerweise tagsüber unter 32°C und nachts unter 24°C. Besonders wichtig für Säuglinge, Menschen über 60 und chronisch Kranke. Temperatur dreimal täglich kontrollieren: 8–10 Uhr, 13 Uhr und nach 22 Uhr.

WHO (2026)

Richtig lüften: Nachts und in den frühen Morgenstunden Fenster öffnen, wenn die Außentemperatur unter der Innentemperatur liegt. Tagsüber Fenster schließen und mit Außenjalousien, Rollläden oder innenliegenden Verdunkelungen vor direkter Sonneneinstrahlung schützen. Außenliegender Sonnenschutz ist wirksamer als innenliegender (Umweltbundesamt).

WHO (2026), Umweltbundesamt, BZgA

Elektrogeräte ausschalten: Nicht benötigte elektrische Geräte komplett ausschalten — sie produzieren Abwärme. In der kühlsten Wohnung, besonders nachts, im kühlsten Raum aufhalten.

WHO (2026), Umweltbundesamt

05

Ventilatoren & AC

Wissenschaftlicher Konsens (Stand 2025)

Die Forschungslage zur Ventilatornutzung war lange widersprüchlich — das hat sich mit aktuellen Studien geklärt:

  • Unter 35°C: Ventilatoren unterstützen die Kühlung durch Verdunstung — sicher und wirksam (Lancet Planetary Health 2024).
  • 35°C–40°C bei hoher Luftfeuchtigkeit: Ventilatoren können noch helfen, aber nur begrenzt. Hautbefeuchtung verbessert den Kühleffekt (Science 2024, Chaseling et al. 2025).
  • Über 35°C bei trockener Hitze: Ventilatoren können kontraproduktiv sein und den Körper zusätzlich aufheizen — wie ein Umluftofen.
  • Ältere Menschen (65+): Besondere Vorsicht — eingeschränkte Schweißkapazität. Ventilatoren ab 35°C nicht mehr als alleinige Kühlmaßnahme verwenden.

Quelle: Lancet Planetary Health (2024), DOI 10.1016/S2542-5196(24)00030-5; Science (2024); Chaseling et al. (2025), JAMA

WHO-Empfehlung (2026)

Klimaanlage auf 27°C einstellen und einen Ventilator zuschalten — das lässt den Raum 4°C kühler erscheinen und senkt den Stromverbrauch um bis zu 70%. Die WHO betont: Es geht nicht darum, Räume auf Tiefsttemperatur zu kühlen, sondern einen erträglichen Temperaturbereich zu halten.

Quelle: WHO (2026)

06

Ernährung

Leichte Mahlzeiten bevorzugen: Auch bei reduziertem Hungergefühl sind leichte Kost und regelmäßige kleine Mahlzeiten wichtig. Schwere, fettreiche Speisen belasten den Kreislauf zusätzlich. Suppen, Brühen und wasserreiches Obst und Gemüse helfen, Flüssigkeit und Elektrolyte zu ersetzen (BZgA, gesund.bund.de).

BZgA, gesund.bund.de

Elektrolytverlust ausgleichen: Durch Schwitzen verliert der Körper nicht nur Wasser, sondern auch Natrium und andere Mineralstoffe. Salzige Speisen, Brühen oder natriumreiches Mineralwasser gleichen den Verlust aus. Vorsicht bei bestehendem Bluthochdruck — hier Rücksprache mit dem Arzt halten (gesund.bund.de).

gesund.bund.de, WHO

07

Medikamente

Kritisch

Medikamente niemals eigenmächtig absetzen oder die Dosierung ändern! Stattdessen vor der Hitzesaison einen Termin mit dem behandelnden Arzt vereinbaren, um das individuelle Risiko zu besprechen.

Folgende Wirkstoffgruppen können die Hitzetoleranz besonders beeinträchtigen (CDC 2025, WHO 2026, BZgA):

  • Diuretika (Entwässerungsmittel) — erhöhen Flüssigkeits- und Elektrolytverlust
  • ACE-Hemmer, Sartane (Blutdrucksenker) — beeinträchtigen die Thermoregulation
  • Betablocker — reduzieren die Herzleistung und Schweißproduktion
  • Antidepressiva, Antipsychotika — können das Durstgefühl und die Temperaturregulation stören
  • Anticholinergika — hemmen die Schweißproduktion
  • NSAR (Ibuprofen, Diclofenac u. a.) — können die Nierenfunktion bei Dehydration verschlechtern

Quelle: CDC (2025), WHO Public Health Advice, BZgA

Lagerung von Medikamenten: Viele Medikamente müssen kühl gelagert werden (unter 25°C). Bei Hitzewellen ohne Klimaanlage kann die Raumtemperatur darüber steigen und die Wirksamkeit beeinträchtigen. Kühlpflichtige Medikamente (z.B. Insulin) besonders schützen. Für den Fall eines Stromausfalls einen Plan für kühlpflichtige Medikamente und elektronische Medizingeräte haben (CDC).

CDC (2025), BZgA

08

Auf andere achten

Regelmäßig nachfragen: WHO und CDC empfehlen, besonders während Hitzewellen täglich bei gefährdeten Personen nach dem Rechten zu sehen — vor allem bei alleinlebenden älteren Menschen über 65, chronisch Kranken und Menschen mit Behinderungen. Fragen Sie nach Wohlbefinden, Trinkverhalten und Raumtemperatur.

WHO (2026), CDC (2025)

Säuglinge und Kleinkinder besonders schützen: Keine direkte Sonneneinstrahlung. Kinderwagen niemals mit trockenem Tuch abdecken — das erzeugt einen Hitzestau im Wageninneren! Stattdessen: dünnes, feuchtes Tuch verwenden und regelmäßig neu befeuchten. Zusätzlich einen tragbaren Ventilator einsetzen. Kinder in leichter, hautbedeckender Kleidung mit breitkrempigem Hut schützen.

WHO (2026)

Kühlraum-Optionen kennen: Wenn die eigene Wohnung nicht ausreichend kühl gehalten werden kann: 2–3 Stunden des Tages an einem kühlen Ort verbringen (WHO) — klimatisierte öffentliche Gebäude wie Bibliotheken, Einkaufszentren oder kommunale Kühlräume. In Deutschland bauen immer mehr Kommunen ein Netz von Kühlräumen auf.

WHO (2026), CDC, BMG Hitzeschutzplan

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