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Hitze & Gesundheit
HITZESCHUTZ///
Warnsignale & Erste Hilfe

Symptome
rechtzeitig erkennen

Hitzeerkrankungen eskalieren in Stufen. Wer die Warnsignale kennt, kann rechtzeitig handeln — und Leben retten. Die wichtigste Regel: Bei Verdacht auf Hitzschlag sofort den Notruf 112 wählen.

Eskalationsstufen von Hitzeerkrankungen

I

Stufe 1

Hitzekrampf

Symptome: Muskelkrämpfe (besonders in Waden, Oberschenkeln, Bauch), starkes Schwitzen, Durst. Tritt typischerweise bei oder nach körperlicher Anstrengung in der Hitze auf.

Ursache: Flüssigkeits- und Elektrolytverlust durch starkes Schwitzen, insbesondere Natriummangel.

Maßnahmen: Aktivität sofort einstellen. In kühle Umgebung gehen. Wasser oder elektrolythaltige Getränke (Saftschorle, Brühe) trinken. Betroffene Muskeln sanft dehnen und massieren. Nicht weitermachen — Erholung abwarten.

Körpertemperatur

<38°C

II

Stufe 2

Hitzeerschöpfung

Symptome: Starkes Schwitzen, Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit/Erbrechen, kalte/feuchte Haut, schneller und schwacher Puls, Blutdruckabfall, Ohnmachtsgefühl. Betroffene wirken blass und erschöpft.

Ursache: Kreislaufdysregulation durch massiven Wasser- und Elektrolytverlust. Das Herz-Kreislauf-System kann die Wärme nicht mehr abführen.

Maßnahmen: Person sofort in kühle Umgebung (Schatten, klimatisierten Raum) bringen. Beengehende Kleidung lockern. Mit feuchten Tüchern kühlen (Nacken, Stirn, Arme, Beine). Wasser in kleinen Schlucken trinken lassen — nicht eiskalt, sondern lauwarm. Beine hochlagern bei Kreislaufproblemen. Wenn sich der Zustand nicht innerhalb einer Stunde bessert: Arzt rufen!

Körpertemperatur

37–40°C

III

Stufe 3

Hitzschlag

LEBENSGEFAHR!

■ SOFORT NOTRUF 112 WÄHLEN

Ein Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall mit hoher Sterblichkeit. Jede Minute zählt.

Definierendes Merkmal: Körperkerntemperatur >40°C plus Störung des zentralen Nervensystems.

Kardinalsymptome: Verwirrtheit, Desorientierung, Bewusstseinsstörung, Koordinationsverlust (Ataxie), Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit. Die Haut kann heiß und trocken sein (Schweißproduktion versagt) — aber Vorsicht: Anfangs kann die Haut auch noch feucht sein!

Weitere Symptome: Übelkeit, Erbrechen, rasender Puls (Tachykardie), schnelle Atmung (Tachypnoe), hochroter Kopf, Kopfschmerzen, Durchfall, Muskelkrämpfe. Später: Multiorganversagen (Leber, Nieren, Herz), Gerinnungsstörungen.

Körpertemperatur

>40°C

IV

Stufe 4

Multiorganversagen

Unbehandelt führt der Hitzschlag zum multiplen Organversagen: Leberversagen, akutes Nierenversagen, Herz-Kreislauf-Schock, disseminierte intravasale Gerinnung (DIC), Rhabdomyolyse (Muskelzerfall). Die Sterblichkeit liegt unbehandelt bei bis zu 80%. Selbst bei überlebten Hitzschlägen können Organschäden (Leber, Niere, ZNS) Monate oder Jahre persistieren.

Prognose

kritisch

Quellen: MSD Manual Profi-Ausgabe (2025), AMBOSS (2025), gesund.bund.de, DRK, DEXIMED, WHO (2026)

Sonnenstich — nicht verwechseln

Sonnenstich (Insolation)

Ursache: Direkte, intensive Sonneneinstrahlung auf den ungeschützten Kopf und Nacken. Führt zur Überhitzung der Hirnhäute.

Symptome: Hochroter, heißer Kopf (bei normaler Körpertemperatur!), starke Kopfschmerzen (verstärkt durch Kopfbewegungen), Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Unruhe. In schweren Fällen: Nackensteifigkeit, Bewusstseinsstörung, Krampfanfälle.

Maßnahmen: Aus der Sonne bringen. Oberkörper erhöht lagern. Kopf und Nacken mit feuchten Tüchern kühlen — keine kalte Ganzkörperdusche! Bei schweren Symptomen oder Bewusstseinsstörung: Notruf 112.

Hitzschlag (Hyperthermie-Syndrom)

Ursache: Überwärmung des gesamten Körpers durch Hitzeexposition, oft kombiniert mit körperlicher Anstrengung oder Flüssigkeitsmangel. Versagen der körpereigenen Temperaturregulation.

Symptome: Körperkerntemperatur >40°C, heiße (trockene oder feuchte) Haut, ZNS-Störung (Verwirrtheit, Koma), Tachykardie, Tachypnoe.

Maßnahmen: Sofort Notruf 112! Aggressive Kühlung des gesamten Körpers bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.

Quelle: AMBOSS (2025), gesundheit.gv.at, DRK

Erste Hilfe bei Verdacht auf Hitzschlag

SOFORT HANDELN — JEDE MINUTE ZÄHLT
1

Notruf 112 wählen

Sofort den Rettungsdienst rufen. Dabei angeben: Verdacht auf Hitzschlag, Ort, Zustand des Betroffenen (bei Bewusstsein? Atmung?). Nicht auf Besserung warten.

2

In kühle Umgebung bringen

Aus der Sonne, in den Schatten oder einen klimatisierten Raum. Beengehende/warme Kleidung entfernen oder lockern.

3

Aggressiv kühlen

Effektivste Methode: Kaltwasser-Immersion (ganzer Körper). Falls nicht möglich: Haut mit Wasser besprühen, feuchte Tücher auflegen und Ventilator zufächeln. Kühlpacks an Stirn, Nacken, Achseln, Leisten. Kein Eis direkt auf die Haut!

4

Lagerung nach Zustand

Bei Bewusstsein: flach lagern, Beine erhöht (Schocklage). Bei Bewusstlosigkeit mit vorhandener Atmung: stabile Seitenlage. Keine Atmung: sofort Wiederbelebung beginnen.

5

Flüssigkeit (nur bei Bewusstsein!)

Nur wenn der Betroffene bei vollem Bewusstsein ist und nicht erbricht: lauwarme (!) Flüssigkeit in kleinen Schlucken geben. Bei Übelkeit oder Erbrechen nichts einflößen — Aspirationsgefahr!

6

Überwachen bis Hilfe eintrifft

Bewusstsein und Atmung kontinuierlich kontrollieren. Zustand kann sich rapide verschlechtern. Betroffene niemals alleine lassen.

Wichtig: Kühlung fortsetzen bis Körpertemperatur auf ca. 39°C gesunken ist — dann Kühlung einstellen, sonst droht Unterkühlung! Keine fiebersenkenden Medikamente (Paracetamol, Ibuprofen) geben — sie wirken nicht bei Hitzschlag und können Organe zusätzlich schädigen (MSD Manual, AMBOSS).

Quelle: MSD Manual (2025), AMBOSS (2025), DRK, gesundheit.gv.at, WHO (2026), CDC (2025)

Wann muss ich 112 rufen?

■ NOTRUF 112 BEI FOLGENDEN ANZEICHEN:

Verwirrtheit, Desorientierung oder auffälliges Verhalten
Bewusstseinsverlust oder Ohnmacht
Krampfanfälle
Heiße, trockene Haut (Schweißproduktion versagt)
Keine Besserung nach 1 Stunde Kühlung und Ruhe
Körpertemperatur über 40°C (rektal gemessen)
Kreislaufkollaps oder Schockzeichen
Anhaltendes Erbrechen

Alle Quellen und wissenschaftliche Belege →

Quellenverzeichnis